Passend zum Buch gibt es hier “Die Leseprobe”.
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“Woooooooolke!”
“Gut gemacht, MEIN SOHN! Jetzt schlägt es aber dreizehn – zu null für UNS!”
“DU, DAD, was meinst DU, sollten WIR das Spiel nicht lieber jetzt beenden? ICH meine ja bloß – ICH finde die dreizehn ist eine so schöne runde Zahl. Aber ICH weiß ja auch wo ICH bin! Deshalb geschehe nicht MEIN, sondern DEIN Wille ….”
“Wohl gesprochen, SOHNEMANN! Aber DU hast, glaube ICH, Recht – schließlich bin ICH auch nicht mehr der ALLERJÜNGSTE! Alle Engel mal hierher und hören: WIR beenden das Spiel an dieser Stelle, denn ihr hättet sowieso keine Chance, gegen UNSZWEIBEIDEN eine Wolke zu schießen!”
“Die letzte Wolke war aber Abseits! Die güldet nicht!”
“Luzi, halt den Rand! ICH sprach: “Es werde das Spiel vorbei!, und allso geschehe es! Außerdem, was zum Teufel ist denn ein “Abseits”? So einen Müll habe ICH garantiert nicht erschaffen!”
WIR machten UNS auf den Heimweg, Richtung Wolkenkuckucksheim.
Vergnügt tollte ICH neben DADDY her, der milde lächelnd auf MICH herab sah! ICH wußte, ICH war hier bei UNS schon EIN ganz BESONDERER. PAPS hatte es MIR oft genug erzählt:
“DU bist MEIN lieber eingeborener SOHN, MEIN EIN und ALLES!”
DADDY hatte MICH so lieb, wie ein VATER SEINEN SOHN nur lieb haben kann. ICH durfte bei UNS im Himmel so ziemlich alles machen was ICH wollte, nur aus “HERRschergeschäften” (so nannte ER sie) sollte ICH MICH heraushalten. Ansonsten aber war VATI ein gnädiger GOTT, weshalb ICH MICH des öfteren fragte, woher MEINE plötzlichen Wutausbrüche kamen.
ICH hatte die Cherubimen mal tuscheln hören, daß DAD in SEINER Jugend auch ein kleiner UNGESTÜM gewesen sei, der zum Beispiel mal eine SEINER ganzen Schöpfungen hatte ertrinken lassen, bloß weil sich diese hartnäckig weigerte, IHM zu huldigen ….
Aber die Cheru – bi – Men waren, wie ihr Name schon unmißverständlich klar macht, eine Ausnahmeerscheinung im Himmel, die sich die Zeit mit “Körperspielen” und Tratsch vertrieben, sofern sie nicht gerade gegen UNS Fußball spielen mußten. Ansonsten waren sie recht umgängliche “Kerle”, mit denen MAN schon mal so aus Jux dem einen oder anderen Menschen erscheinen konnte, um ein bißchen Schabernack zu treiben ….
ICH hüpfte und tollte über das grüne Gras, in der Ferne konnte ICH schon die Zinnen unseres Luftschlosses erkennen: “Rosarote Wolke 7″ – das war UNSERE Adresse. DAD hatte sie MICH auswendig lernen lassen, denn der Himmel war an und für sich schon ein Ort, in dem SICH ein GOTTESSOHN verlaufen konnte – vor allem, wenn Himmelskunde nicht gerade zu den stärksten Fächern DESSELBEN zählten: “MIR doch egal wo die anderen wohnen …”, pflegte ICH zu sagen, “… Hauptsache, ICH finde den Weg nach Hause!”
Wieder hob ICH zu einem gewaltigen Luftsprung ab, doch mit der Landung auf beiden Füßen war es diesmal vergammelter Nektar. Etwas traf MICH schmerzhaft am Schienbeinen so, daß ICH, vor Schmerz aufschreiend, darniederstrauchelte. Mit Zornes- und Schmerzenstränen in den Augen sah ICH MICH um. Luzifer hatte MIR von hinten in die Haxen getreten, und zwar mit seinen Fußballschuhen an! Er feixte sich einen, als wäre er der Leibhaftige: “Tja, jesus, das hast du jetzt davon! Hast wohl gedacht, ich würde mich nicht zur Wehr setzen, wenn du nach eigenem Gutdünken das Spiel beendest, was?”
Der hatte die Frechheit, MEINEN NAMEN ohne die korrekte Form der Anrede auszusprechen! ICH flippte aus! Noch bevor DAD überhaupt mit bekam, was gerade vor sich ging, schrie ICH den Bolzerbub an: “Du, MEIN Lieber, hast jetzt ein ernstes Problem! ICH verbanne dich aus dem Himmel! Hinfort sollst du in der Hölle wohnen, die du dir aber erst einmal selbst erschaffen mußt!”
DAD (der mittlerweile doch (langsam aber sichER – ER war halt nicht mehr der JÜNGSTE) mitbekommen hatte, was gespielt wurde) sagte:
“Wenn MEIN SOHN so was sagt, dann müßte schon ein Wunder geschehen, damit SEINE Worte nicht erfüllt würden! Also Luzi, tschüß und tschaulomm! Viel Spaß in der Hölle!”
Und sofort war er vor MEINEN staunenden Augen hinweg genommen, ICH hörte ihn lediglich noch kreischen: “Das zahl ICH dir heim! Wir sehen uns wieder, verlaß´ dich drauf!”
“Wenn aus Abend und Morgen der nächste Tag geworden ist, werden WIR UNS mal ausführlich unterhalten müssen, MEIN SOHN …!”
Den restlichen Tag war ICH von GOTT verlassen, denn DAD redete kein Wort mehr mit MIR.
Nach einer Noctem (in der ICH sehr schlecht geschlafen hatte) mümmelte ICH am nächsten Morgen MEINE Frühstückscerealien (Nektar und Ambrosia – das gab es übrigens auch Mittags und Abends – igittiGOTT!) in MICH hinein. Schließlich nahm auch PAPS auf SEINEM Thron Platz. Ohne weitere Umschweife kam ER zur Sache:
“DU hast eines MEINER wichtigsten Gebote übertreten, als DU dachtest, DU könntest hier den HERRscher rauslassen. ICH kann aber gut verstehen, daß es DICH schon länger in den Fingern juckt, mal DEIN eigenes Leben zu leben, denn ICH bin ein gnädiger GOTT! So will ICH DICH auf die Erde senden, auf der DU tun und lassen kannst, was DU willst – DU wirst schon sehen, wohin DICH DEIN Verhalten führt. Nach einer Zeitspanne, die nur ICH, in MEINER unendlichen Weisheit allein kenne, werde ICH DICH aber wieder bei MIR aufnehmen. Damit DU es auf Erden aber nicht allzu einfach hast, werde ICH DIR eine Amnesie verpassen die sich gewaschen hat: DU sollst DIR DEINER himmlischen Herkunft nicht bewußt sein, sondern unter ärmlichsten Verhältnissen aufwachsen – und gnade DIR ICH, wenn DU nicht irgendwann von selbst anfängst, MIR zu huldigen … dann wird DEIN irdisches Martyrium wesentlich länger dauern, als DU es DIR vorstellen kannst!”
“DAD, ICH bitte DICH; das kannst DU nicht machen! ICH in ärmlichen Verhältnissen? – ICH meine, willst DU MICH umbringen? So was überlebe ICH doch niemals!”
“ICH aber sprach, DU kommst auf die Erde, und deshalb geschehe es allso! Das ist MEIN letztes Wort in dieser Angelegenheit!”
Heidenei, da saß ICH aber ganz schön in der Patsche! – Ach was – so schlimm konnte es doch eigentlich gar nicht werden … die Menschen würden MICH ja bestimmt nicht gleich kreuzigen ….
Außerdem waren DAD´s Amnesien doch eher partieller Natur; wie SEINE gesamte Schöpfung hatten auch die Krankheiten ihre Vergänglichkeit … schon allein deshalb, weil ER auch “Ärzte” und “Wunderheiler” erschaffen hatte … ICH würde MICH schon beizeiten MEINER Herkunft entsinnen.
Zuerst hatte ICH das Gefühl zu schrumpfen, anschließend umgab MICH Finsternis; der Rest war (vorerst) seliges Vergessen ….
… meine Lehrzeit …
in der ich beim Zimmermann zu Ebensolchem ausgebildet werden sollte.
Muttchen drehte schon morgens an der Orgel, als sie meines “Unausgeschlafenheit par excellence” repräsentierenden Gesichtsausdruckes gewahr wurde. Umgehenst HERRschte sie Joseph an: “Wat macht´n det Jüngelchen so früh det Morjens am Küchentisch? Du hast´n doch nich´ etwa inne Lehre jenommen? Joseph entgegnete ihr zuwider. Da flippte sie völlig aus: “Ja sach ma´, biste denn von alle jute Jeister – HJ inklusive – verlassen? Der Junge seines VATERs jeht nich´ uffm Bau malochen! Ick jloobe, dir brennt der Kittel, aba janz jewaltich und lichterloh! Mein Kind macht keene Lehre als Schreina; dafür is´ der Junge doch viel zu bejabt!”
“Erstens ist er das nicht, zweitens gammelt der sowieso den ganzen Tag rum und kommt nur auf dumme Gedanken – wie Veterinärmedizin – und drittens muß er langsam aber sicher mal was fürs Leben lernen! Handwerk hat hölzernen Boden! Basta!”
Ma(ria) gab nach – Premiere!
Mürrisch folgte ich dem Zimmermann in seine Werkstatt: “Ich will so was nicht lernen! Ich bin viel zu intelligent, um mich mit niederen Arbeiten beschäftigen zu müssen!”
Joseph griff mich am Hinterkopf und drückte mein Ohr auf die Hobelbank:
“Jetzt hör mir mal gut zu Bürschchen! Deine Mutter mag dich ja verGÖTTern, aber hier HERRscht jetzt ein anderes Klima! Du wirst, wenn du hier noch weiterhin zu wohnen gedenkst, etwas zum Familienunterhalt beitragen. Du wirst jetzt – ob dem HERRn das paßt oder nicht, ist mir egal – diesen Balken hier hobeln! Der ist für ein Kreuz, also streng dich an, damit er schön uneben wird, denn der gekreuzigt werdende GOTTeslästerer soll es doch nicht allzu bequem da oben haben ….”
Schon bei den Worten “da oben” wurde mir ganz schwindelig, was aber nicht ausschließlich an der Wortwahl des Joseph lag. Er ließ meinen Kopf los, und mir tat das Ohr weh! Blut und Wasser flossen heraus, denn ein dicker Dorn steckte in meinem Gehörgang.
“Aua, menno, du hast mir weh getan …”, rief ich, “… jetzt habe ich einen Dorn im Ohr! Das hast du ja toll hingekriegt! Ich melde mich krank! — Meld!!!!”
Der Zimmermann hatte weniger Humor, als ich in meinen schlimmsten Träumen zu befürchten gewagt hatte: “Ich hatte schon mal einen Balken im Auge! Stell dich nicht so an! Mach den Balken rau! Wenn du krank bist, dann hol dir einen gelben Schein – sonst prügel ich dich grün und blau!”
Ich tat mein Bestes – glaubt mir wenigstens – dieses eine Mal.
Hinterher war der Balken so glatt, daß man einen Babypopo hätte darüber ziehen können, ohne das Kind dabei zu verletzen. (Gekreuzigte taten mir irgendwie leid … wenn ich schon so viel Streß mit der Zubereitung des Querbalkens hatte – wie mußten sich dann erst diese armen Leute fühlen ….)
Joseph war stocksauer (was Wunder, bei seinem Beruf) und schickte mich aufs Dach. Ich sollte einen “Vierfürst” bauen. Natürlich fiel ich runter – aber holterdipolter! Als ich unten angekommen war, sagte Joseph: “Mein lieber ZEBAOTH, dich sollte man da oben wirklich festnageln, dann gewöhnst du dich vielleicht mal an die schöne Aussicht. Also gut, du hast gewonnen, für heute ist Feierabend. Laß uns mal nach Hause gehen, Maria hat auch sicher schon was zu essen fertig.” Nach kurzem Überlegen fügte er hinzu: “Tja, Jesulein mein, Lehrjahre sind nun mal keine HERRenjahre … aber ich hatte mal den Traum, daß du in meine Reißnägel treten würdest ….”
Jetzt hatte ich seine Faxen aber endgültig dicke: “Deine Träume interessieren niemanden hier – hast du das noch nicht geschnallt?!”
Die ganze Noctem über hatten sich Maria und mein “Chef” unter anderem dieses Traumes wegen in den Plünnen; ich konnte nicht schlafen, und schrieb deshalb eine “Krankmeldung”. Währenddessen troff Glibberkram aus meinem Ohr auf das Zettelchen. Seitdem hieß das Ding bei uns wahrlich “Gelber Schein”. Aber am nächsten Tag brauchte ich nicht zu arbeiten … GÖTTlich, wahrlich!
Aber am Übernächsten – und am Überübernächsten – und am Überüberübernächsten undsoweiterundsoweiter schon. Ich mußte dauernd arbeiten, und meinen Händen ging es dadurch nicht wesentlich besser. Sie wurden ganz rau – aber damit hätte ich leben können. Das Schlimmste war, daß sich auf meinem ganzen Körper Pickel und Pusteln bildeten, die Maria (nach guten Zureden meinerseits) als “Holzallergie” deklarierte. Jedes Mal wenn ich ein Stück Holz bloß sah (selbst aus der Ferne, was mir meiner guten Augen wegen nicht schwerfiel) begann mein Körper allergisch darauf zu reagieren. Nur auf des THORs Balken konnte ich mich, obwohl dieser auch gezimmert war, einigermaßen entspannen.
Retrospektiv würde ich sagen, daß mir diese Allergie (und die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit) das Kreuz (autsche!) gebrochen haben. (Wenn´s mal so gewesen wäre … haha, ich schrei mich vor Lachen hinfort; am geschicktesten in himmlische Sphären. “Wenn ich ein Vöglein wär und auch zwei Flüglein hätt …”.)
Aber jetzt komme ich wahrlich auf die Anfänge meine Schlauschnackerei zu sprechen:
Drittes Kapitel
Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antworten.
Lukas 2,47
Stimmt. Nee, also jetzt mal ganz wahrlich! Das war mein erster öffentlicher Auftritt vor verblüfft werden wollenden Auditorium. Im Grunde genommen wollte ich aber lediglich meine rhetorischen Fähigkeiten testen.
Schon damals hatten die Menschen die dubiose Angewohnheit, sich bei besonders großen religiösen Festen in die Tempel und Synagogen der umliegenden Städte und Dörfer zu verirren.
(Das macht ein Großteil von Euch ja heute noch so.) Deshalb dachten auch Maria und der Zimmermann, sie müßten anläßlich des Passahfestes mal wieder den guten alten Tempel von innen sehen, obwohl sie sich ja sonst doch lieber von diesem Gemäuer fernzuhalten pflegten. Wir also, ich Kind mit Kegeln, ab nach Jerusalem, mal ein bißchen fromm tun. Ich fand die Großstadt so dermaßen mui, daß ich beschloß, noch ein paar Tage länger zu bleiben; in einem Kuhdorf wie Nazareth war das Freizeitangebot für heranwachsende Jugendliche nun wirklich nicht gerade der Reißer vor dem HERRn. Deshalb ging ich zu Maria, to tell her (ich redete schon als kleiner Knabe hin und wieder ganz gern in Zungen – so zum Zeitvertreib quasi), daß ich schon mal mit meinen Kumpels (die ich zu jener Zeit noch nicht “Jünger” nannte – was lediglich im Altersunterschied seine Begründung gefunden hätte) in Richtung Heimat vorausginge. Hat sie mir (obwohl ich gar keine Kumpels hatte) sofort geglaubt. Als vermeintlicher “Sohn GOTTes” hat man es natürlich wesentlich leichter, seine Mutter un peu (diese Zungen!) anzuschwindeln. Da ich wußte, daß meine Ernährer es nicht eine Sekunde länger als unbedingt erforderlich im GOTTeshaus aushalten würden, versteckte ich mich im “Allerheiligsten”.
Klappte eins A! Kaum hatten sich die beiden verdünnisiert, kam ich aus meinem Versteck. Die Sache, so raffiniert sie auch geplant war, hatte nur einen klitzekleinen Haken:
Da ein fünfzehnjähriger Knabe (nix 12 Jahre alt – ihr ward ja nicht dabei – oder?!), der mutterseelenallein durch den Tempel lustwandelt, auffällt, war es nur eine Frage der Zeit, bis der erste Tempeldiener meiner Person gewahr wurde und mich – hastdunichtgesehen – zu den Priestern schleifte. Da saß ich nun erstmal ganz schön in einer der vielen möglichen Patschen. Mutters Sohn (geschweige denn GOTTes Sohn) war natürlich nicht der Dümmste seiner Artgenossen. So heulte ich den Leutchen sehr theatralisch was vor: “Ich hab´ meine Mammi verloren, buhuhu undsoweiter”. Boa, das zog wie Schmidtz´s Katze! Jetzt war ich für die Typen der King (zwar in Zungen, aber noch nicht der der Juden; who cares – jeder fängt mal klein an, gell?).
Mit meinem unvergleichlichen kindlichen Charme wickelte ich mir die Brüder in Nullkommanichts um den kleinen Finger und brabbelte allen möglichen “frommen” Kauderwelsch, der mir gerade so durch den Schädel schoß. Da merkte ich auch zum ersten Mal, wieviel Spaß es macht, klugzuschnacken. Natürlich “verwunderten” sich die Leute. Ich selbst verstand ja nicht die Hälfte dessen, was ich da verzapfte. Aber ich kapierte ziemlich schnell, daß, je verwirrter man daherstammelte, das Auditorium wuchs, bis es schließlich die Ausmaße des “Maximum” erreichte.
Gerade als mir die ganze Schote tatsächlich Spaß zu machen begann, (den ursprünglich geplanten Ausflug durch Jerusalems Gassen (und den durchs Rotlichtmilieu) hatte ich mir mittlerweile schon von der Backe geputzt ) tauchten – wie hätte es anders sein können – natürlich! – meine Erzeugerin und mein Ernährer wieder auf. Mein GOTT! Ich konnte es Mary schon von weitem ansehen (ich hatte nämlich vorzügliche Augen), daß es Streß geben würde. Auch die Blicke des Zimmermanns konzentrierten sich ausschließlich auf meine Vierbuchstaben. Na denn, Prost Mahlzeit! Jetzt war mein GÖTTliches Improvisationstalent gefragt ….
“JOTTchen Jesus, wir ham uns solche Sorjen um dir jemacht …”, fing meine Ma an, “… wir dachten, du wolltest mit deine Kumpels vorausjehen …”. Und der Zimmermann sagte (von ihm hatte ich meine Begabung für Sprache bestimmt nicht geerbt): “Vielen Dank, ihr lieben Pharisäer, daß ihr auf unseren Balg (auch wenn er wohl kaum mein eigen Fleisch und Blut ist) aufgepaßt habt. GOTT segne euch.” Mir zischte er (im Geiste schon die Geißel bedienend) zu: “Wart´s ab Bürschchen, wenn wir erst zu Hause sind, dann kannst du aber dein blaues “Wunder” erleben!” Maria untermalte diese Drohung mit permanentem Wehklagen wie: “Frucht meines Leibes; bist sonst doch immer sooo artich; wat ham wa bloß falsch jemacht; kann mir mal eener sagen, wat ick noch allet tun soll; ick jloobe, dem Jungen jeht det eenfach ville zu jut … “, etc, etc ….
Wie schon geschrieben: guter Rat war mir jetzt mit Gold aufwiegbar geworden. Ich verfiel auf eine kleine List, ihrer beider Naivität (von Dummheit redet man bei den einen selbst fütternden Händen nicht) ausnutzend und hub an und spruch: “Wisset ihr denn nicht, daß ich im Hause DESSEN sein muß, den als meinen VATER auszugeben ihr euch Zeit meines Lebens erdreistet?”
Blahblahblah.
Natürlich haben die beiden aufgrund ihrer Einfältigkeit kein Wort von dem Gesagten verstanden, aber egal. Wir gingen nach Hause und dort angekommen, bekam ich dann eben doch keinen Hinternvoll. Bingo! Stattdessen hockte ich wieder in Nazareth rum, ohne etwas von Jerusalem (von dessen Rotlichtmilieu mal ganz zu schweigen) gesehen zu haben. Tolle Wurst.
Aber das sollte noch kommen! Das schwor ich mir bei mir selbst und bei GOTT.
Von nun an begann ich, meine Ausflüge in Nazareths Umgebung etwas umfangreicher zu gestalten. So kam es dann auch nicht allzu überraschend, daß ich plötzlich Johannes gegenüberstand. Der Kerl war ein Knaller vor dem HERRn, genau meine Wellenlänge.
Siebenunddreißigstes Kapitel
Daheim
Schon beim Betreten der eher schlecht als recht zusammengezimmerten Hütte wurde mir klar, daß die Idee, meine Aufzuchtsauserwählten zu besuchen, sich keinesfalls auf GÖTTliche Inspiration zurückführen ließ, obwohl sich meine Ma ob meines Überraschungsbesuches mehr als begeistert zeigte. Völlig au contrair verhielten sich mein Ziehvater und dessen Söhne und Töchter. Anscheinend hatte Ma(ria) im Laufe der Jahre noch öfter ihre Jungfräulichkeit verloren als ursprünglich von mir angenommen.
“Mänsch Jroßer, det du dir ma´ wieda kieken läßt!”, fiel sie mir, mich herzigen und küssigen wollend, um den Hals. Nachdem sie sich mit einem leisen Plop – Geräusch, wie es nur entstehen kann, wenn man vakuumversiegelte Amphoren öffnet, wieder von mir gelöst hatte, wirbelte sie mich mehrmals um meine Horizontalachse. Gerade so, als ob mir vom Wein nicht schon schwindelig genug gewesen wäre – aber sie konnte ja nicht hellsehen. “Laß dir ma´ bekieken; Junge, wat biste jroß jeworden! Aber jesund siehste nich´ jrade aus – so dürre! Und deine noble Blässe erinnert mir irjendwie an cervisia et sputum.” (Heidenei, sie sprach “Weißbier mit Spucke” in Zungen aus …!)
Ich konnte mich (auch des letzten ihrer Worte wegens) nicht beherrschen; mein Magen revoltierte, und ich kotzte ihr einen sauberen, geraden Strahl auf den Sandalenabtreter. Als ich damit fertig war, war von dem nett gemeinten, aber kitschigen und mir fehl am Platz erscheinenden “Herein, wenn´s kein Prophet ist” – Aufdruck auf der Bastmatte nichts mehr zu lesen. Mit dem Handrücken wischte ich mir die letzten, mir aus dem Halse baumelnden Glibberfäden ab, die ich mit einer gekonnt grazilen Bewegung ins Hütteninnere schleuderte. (Übung macht eben den Meister!)
“Junge, is´ dir nich´ jut?” Meine Ma war eben die gebündelte Einfältigkeit vor dem HERRn. Joseph trat, von den Plätschergeräuschen angelockt, ins Freie, meine Kotzschlieren baumelten lustig an seiner Nasenspitze: “Ach, du bist´s. Läßt du dich auch mal wieder blicken? Wir dachten schon, du lebst gar nicht mehr. Was willst du? Geld oder Spatzen? Kannste vergessen! Zu saufen gibts hier auch nichts, wir sind eine anständige Hütte.”
Meine Mutter lotste mich mit einer beschwichtigenden Handbewegung ins Innere der räumlich sehr knapp bemessenen Wohneinheit und Joseph wieder in seine Werkstatt. Nachdem er verschwunden war, ließ sie mich am (“Von Joseph selber jezimmerten!!!”) Küchentisch Platz nehmen.
“Junge, setzt dir ers´ma hin. Weeßte, ick hab jehört, det du alle Speisen für rein erklärt hast, und da hab ick doch jleich im letzten Winter een Spanferkel einjefroren, det mach ick dir jetze. Falls dein Vater reinkommt, sachste eenfach, det wär Opferlamm; hättste selba mitjebracht. Praktisch wie´n Wunder, vastehste? Watte mal, watte mal, ick hol noch eben deine Jeschwister rinn, denn kannste ja mit den ´n bißken plaudern, während ick wat zu Essen mache, damitte ma wieder wat anstän´jes zu prepeln und somit wat uffe Rippen krichst, wah?” Sie nahm mich noch mal in den Arm, und drückte mich, daß mir fast die Puste wegblieb. “Ick freu mir so, dette wieder da bis´!” Dann rauschte sie aus der Küche, die kurz danach von meinen “Geschwistern” bevölkert wurde. Ich zählte sie kurz durch, es waren keine Dreizehn, also hatte ich nichts Gutes von ihnen zu erwarten. (Kann Messias das überhaupt von kleinen Geschwistern, die dazu nur Halbbrüder und -schwestern sind?!)
Wir redeten nicht viel, bis das Spanferkel auf den Tisch kam; sie stellten sich lediglich kurz namentlich vor, aber bei meinem Gedächtnis hatte ich den des Ersten schon wieder vergessen, als mir das Letzte den seinen nannte.
Mütterlein hatte wahrlich nicht zuviel versprochen! Sie hatte das Jungschwein letzten Winter eingefroren, bedauerlicherweise war jetzt die Zeit vor dem Laubhüttenfest und es herrschten subtropische Temperaturen. Dementsprechend sah das Vieh aus. Es schmeckte noch schlimmer, als es roch, aber ich aß – Mutter zuliebe – ein paar Happen. Die anderen taten es mir nach. Dann erbrach ich mich erneut – diesmal über den Braten.
“Ich kann nicht mehr …”, stöhnte ich, “… ich brauche frische Luft!”
“Wir auch!”, riefen meine Geschwister und folgten mir ins Freie, wo sie ihrerseits herzhaft abkotzten.
“Müssen mir eigentlich sogar zu Hause die Leute hinterher rennen?”, schnauzte ich sie an. “Immerhin mach ich hier Urlaub, ey!”
Der scheinbar älteste der Bastarde brüllte zurück: “Wir haben noch nie so etwas ekliges essen müssen wie heute! Aber kaum kommt der Herr Messias, gibts den letzten Schweinefraß! Danke, großer Halbbruder, der sich nie hat sehen lassen, wenn Vater uns aus lauter Frust seinetwegens verdroschen hat, echt danke! Jetzt kommt der Herr mal heimwärts, und das Leben wird noch beschissener als es vorher war! Hau doch am besten gleich wieder ab!” Die anderen nickten zustimmend.
Aus der Hütte rief Maria: “Jesulein, möchste wat von det Fleisch einjepackt kriejen, für später, so für unterwejs?” Beim bloßen Gedanken daran hätte ich schon wieder göbeln können, aber ich beherrschte mich und rief: “Nee, danke, laß ma jut sein!” Dann musterte ich meine gehässig dreinschauenden Halbgeschwister und fügte hinzu: “Da könnt ihr doch späta nochma von essen, du broochst doch den leckeren Braten nich´ vollends vor die Säue zu werfen! Wasch doch eenfach meine Kotze ab, und der is wieda wie neu!” Ich grinste meinen Geschwistern, mich meiner Gemeinheit diabolisch freuend, unverhohlen in die Gesichter. Die Kleinsten übergaben sich schon wieder, als Muttern aus der Küche herausrief: “Danke, meen Jroßer, det is ja ´ne pieke Idee; du bist echt knorke druff!”. Da war es auch mit der Selbstbeherrschung der anderen vorbei: alle reiherten nach HERRzenslust in die Blumenrabatten, die den staubigen Gartenweg zu ihrem Hüttchen säumten. “Und laß noch ´n Happen für Joseph über …”, rief ich, “… der hat doch nach Feierabend bestimmt ooch Hunger!”
“Det is´ aber lieb, dette ooch seiner jedenkst. Det erzähl ick ihm nachher ma´ in Ruhe!”
“Lieba nich´, liebe Mutta, ick tue meene juten Werke lieba im Vaborjenen!”
“Ach weeßte, du bist schon immer meen supaallaliebsta Sohn jewesen!”
Spätestens heute Abend würde mich Joseph genauso hassen, wie es meine Geschwister (und die Paris) jetzt schon taten. Ich mußte so bald wie möglich wieder verschwinden; war also Essig mit dem Urlaub daheim ….
Mir tat es – zugegeben – gut, hier mal den Schweinepropheten rauszuhängen!
“Liebe Geschwister …”, ergänzte ich die vorausgegangenen Gemeinheiten, “… wenn ihr Mutters gutes Mal eßt, gedenket meiner, denn ich bin besser als der Braten, ich bin das Brot des Lebens. Glaubt mir!” – Sie taten es nicht, waren aber heil(and)froh (jaja …), daß ich nur so kurz geblieben war.
Meinen Besuch abschließend, begub ich mich in die Schreinerwerkstatt, in der Joseph keuchend, schwitzend und fluchend ein unschuldiges Brett mit dem Hobel heiliggeistete. (Das meint, daß das Holz unter dem Hobel liegen mußte.) Ich verabschiedete mich artig von ihm, und wünschte ihm: “Nach Feierabend einen Guten Appetit”.
“Och, du gehst schon wieder?”, nörgelte Joseph. (Der Mann war anscheinend latent unzufrieden – erst sollte man nicht lange bleiben, jetzt plötzlich doch, oder was?!)
“Ich malooch mir hier gerade den Hohepriester! Ich wollte dir für heute Nacht eine schöne Schlafgelegenheit basteln. Nur dieses Brett noch – guck mal – dann ist sie schon fertig, deine Krippe!”
Wow! Eine solche Spitzfindigkeit von Anspielung hatte ich ihm gar nicht zugetraut! Aber frech war so was trotzdem, vor allem dem Sohn GOTTes gegenüber! Ich richtete ihn auf die Schnelle und verzog mich dann in die Küche, um mich von der einzigen Person in diesem Hütthalt zu verabschieden, die mich von Herzen liebte. Sie war todtraurig, ließ mich aber ziehen. “Wir sehen uns spätestens auf meiner Hinrichtung!”, winkte ich ihr, den Dämon “Schalk”; im Nacken sitzen habend, scherzhaft zum Abschied. “Lies regelmäßig das galiläische Wochenblatt, besonders die Kleinanzeigen der Rubrik “Kreuzigungen und Steinigungen”. Richte dein verschärftes Augenmerk auf die Kategorie “Verurteilte GOTTeslästerer”.
Frohen Mutes hub ich mich hinweg. Manchmal ist es schöner, ein Schwein zu sein, als welches zu haben, oder im Falle meiner Familie, eines essen zu müssen.
Nach kurzer Überlegung lenkte ich meinen Schritt in Richtung Judäa, denn ich hatte jetzt doch noch Lust bekommen, aufs Laubhüttenfest zu gehen. Ohne meine Apostel würde ich wahrscheinlich sogar unerkannt bleiben; sie hatten ja keinerlei Mundpropaganda mein baldiges Eintreffen betreffend gemacht – eher im Gegenteil!
Inkognito auf einem Volksfest … das war verlockend.
(Außerdem war “Konsequenz” noch nie mein zweiter Vorname gewesen; also, auf zu neuen Taten und gewechselt werden wollenden Worten! – Oder, wie ich neuerdings zu sagen pflegte: Auf in den Kaaaaaaaaaaaaampf – oder war das gar nicht so neu …?)
Richtigstellung von Joh.7,1 – 7,9
Vierzigstes Kapitel
Einzug in Jerusalem
Fast hatten wir es geschafft; der Countdown lief ….
Ich war gespannt, denn Jerusalem war von je(sus – GOTTchen, wie egoistisch …) her die Hochburg der “Frommen Sünder”, also der Pharisäer, Schriftgelehrten, Ältesten und allem einmottenswertestem Gesocks, das ich kannte.
Macht hoch die Tür …!
Wir hatten Bethanien gerade verlassen, als ich heftigstes Seitenstechen kriegte. Ich wurde eben “alt” – höchste Zeit, den Löffel abzugeben. Zu allem Überfluß wimmelte es (dem aufmerksamen Bibelleser wird es nicht entgangen sein) in dieser Gegend von Ölbergen; irgendwo mußte hier in der Gegend ein Nest sein ….
Rauf auf den Berg kam ich noch, aber hinterher auf der anderen Seite wieder hinunter zu latschen, war für meine angeknackste Kondition einfach zuviel. Ich packte es nicht mehr! Deshalb schickte ich zwei meiner Jünger los, um das von Propi in der Nähe abgestellte Eselfohlen zu mir zu bringen. “Klaut das einfach …”, sagte ich, “… wenn jemand was dagegen hat, sagt einfach, daß ich es brauche, und alles wird gut.”
(Diese Parole hatte ich mit Propi abgesprochen, da ich, als wir diesen Plan entwarfen, noch nicht wußte, wen ich schicken würde. Mit ein bißchen Pech, kämen kurz vor meinen Jüngern echte Diebe vorbei. Das wäre ja hyperpeinlich geworden!)
Nachdem die beiden abgezogen waren, ordnete ich eine Verschnaufpause an, und wir ließen uns im üppigen Grase des Berges nieder. Während die Frauen begannen, den Rasen abzuäsen (mei, mußten die einen Appetit haben – wenn sie sich nicht mal Dreck am Stecken machen wollten, sondern sich direkt von der Weide in den Mund ernährten), vertranken wir unser zuletzt erbetteltes Geld. In der Höhlenkasse herrschte nämlich Ebbe. Wenn sich der Appetit der Frauen nicht bald wieder normalisierte, mußte ich sie auch noch loswerden, bevor sie mir die (immer lichter werdenden) Haare vom Kopf fraßen.
Endlich kamen die beiden mit dem Esel wieder. Sie legten ihre Klamotten darauf, damit ich nicht mein reinweißes Gewand auf dem staubigen Tierrücken beschmutzte. Judas fragte, warum ich denn nur einen Esel herbeigewundert hätte, anstatt genug für alle zu besorgen, denn “Dreizehn” sei ja der Glücksesel Zahl. Großmütig klärte ich ihn auf:
“Das ist die Folge eines von mir erschaffen worden seienden Spieles, welches heißt “Reise nach Jerusalem”. Bei diesem Spiel wandeln alle Teilnehmer zu fröhlicher Musik um eine Eselsherde herum. Hört die Musik abrupt zu spielen auf, muß sich jeder auf den Rücken eines dieser Reit- und Lastentiere setzen. Es gibt aber – und das ist der Witz an der Sache – immer ein Tier zu wenig, als daß jeder einen Sitzplatz fände. Diese Zeremonie wird so lange wiederholt, bis sich schließlich zwei Mitspieler um einen Esel streiten müssen. Da wir alle wissen, daß ich – der Messias – dieses Spiel sowieso gewonnen hätte, habe ich lediglich den sonst bei diesem Spiel entstehenden Streit und Zank umgangen, und gleich das sichere Ende herbeigeführt. Außerdem, Judas, siehst du hier irgendwo Musikanten herumlungern? – Siehste! Also, kein langes Labern, sondern auf nach Jerusalem.” Ich schnalzte mit der Zunge, hub dem Esel meine Fersen in die Flanken und ab ging die Post. (Oder der Reitbote … oder so was.)
Meine Apostel/innen, Judas inklusive (?) waren von meiner eben repräsentierten Weisheit dermaßen begeistert, daß sie anhoben, mich in den höchsten Tönen zu lobpreisen: “Gelobt seien GOTT und SEIN Sohn, der da geritten kommt auf einem Esel, im Namen des HERRn! Friede, Freude und Eierkuchen seien im Himmel in der Höhe, also der fünften Himmelsrichtung, denn wir kennen keinen Himmel, der nicht in der Höhe ist, also preisen wir den uns einzig bekannten in seiner Eigenschaft als solchen. Prost und Hosiannah dem König, der da kommt nach Jerusalem!”
Dieses Zeter und Mordio hörten natürlich auch viele andere Leute, die im Grunde nicht die Bohne einer Ahnung hatten, worum es eigentlich ging; aber sie hatten schon lange nicht mehr gefeiert und waren deshalb mit Feuer und Flamme dabei. Genauer gesagt waren sie mit Klamotten und Palmwedeln dabei, die sie eifrig vor meinem Eselchen auf der Straße ausbreiteten, damit sich dieser nicht einen Huf verstauchte. Das waren natürlich alles nur niederste Gesten der Einschleimerei bei dem vermeintlichen “König” – aber sie verfehlten nicht ihre Wirkung. Ich legte den Leuten die Hände auf was das Zeug hielt, versprach ihnen das Blaue vom Himmel herunter und segnete Autogramme in die mir entgegengehaltenen Palmwedel, bis das mir die Hände bluteten. (Wer hatte eigentlich die scharfen Blattränder erschaffen – etwa er, oder doch eher ER?)
Auch den Paris war das Geschrei des Pöbels zu Ohren gekommen, und so nutzten sie die Gelegenheit, um sofort wieder Stunk zu machen: “Maister des gesprochenen Wortes, benütze doch ain solches der Macht, um diesen dain´ Jüngern zu wehren und klar zu machen, dat sich dat nich´ geziemen tut, hier so laut rumzubölken.” Meine Euphorie konnten sie aber durch diese Rede nicht downen (huch, ich schreibe ja schon wieder in Zungen).
“Meine lieben Pharisäer …”, entgegnete ich ihnen, “… wollt ihr wahrlich, daß diese Menschen schweigen? Ich sage es euch so, wie es ist: wenn die Menschen schwiegen, so schrien die Steine – und dann wäre hier erst richtig Highlife, also das Gegenteil von “die Hölle los”, das kann ich euch aber flüstern! Ihr müßt mir nur sagen, was euch lieber ist.”
“Dann laß doch die Staine schrain …”, erwiderten sie, “… so wat wollten wir schon immer ma´ hörn und sehn.”
“Waaaaas?”, schrie ich, mir die Hand ans Ohr haltend. “Ich kann euch nicht verstehen; wißt ihr, das Volk macht so einen Krach …”, und gab meinem Esel die Sporen, auf daß er mich vor ihren Augen hinwegnähme. Jacko erzählte mir später, daß sich die Paris in diesem Moment ihrer Ohnmacht mir gegenüber bewußt geworden waren, weil sie angeblich untereinander gesagt hätten, daß sie nichts gegen mich ausrichten könnten, da mir alles Volk nachliefe. Nur zu gern hätte ich das geglaubt, aber ich kannte ja meine Pappenheimer: die Seele einer Fangemeinde war wankelmütiger als ich es bei der Befolgung der von mir aufgestellten Lebensmaximen war. Mir schwante übles – wobei natürlich dieser hübsche, weiße Schwimmvogel nichts damit zu tun hatte – an und für sich – jetzt mal so gesehen ….
Matt.21;Mark.11;Luk.19,29;Joh.12,12